Hintergrundinterview mit Vertretern der Veranstalter der Israelwoche

 

Warum haltet ihr eine Israel-Woche für notwendig?

Shimrit Härtl, DIG: In der deutschen Presse und Öffentlichkeit wird kaum ein Thema so heiß diskutiert wie der Nahostkonflikt. Dieser Konflikt ist zwangsläufig die erste Assoziation, die jeder zum Thema Israel hat. Ein ganzes, sehr vielfältiges Land wird reduziert auf seine militärischen Auseinandersetzungen. Natürlich ist das ein wichtiges Thema, ohne eine gute Armee gäbe es Israel heute nicht mehr.
Wir finden aber, das kann nicht alles sein. Wir wollen deshalb in der Israelwoche darüber informieren, was Israel noch alles ist. Wir zeigen von der Kunst und Kultur, über die Geschichte bis hin zur Küche Israels Aspekte, die die meisten hierzulande nicht kennen.

Es geht euch ja nicht generell darum, Bilder von anderen Ländern richtig zu stellen. Was ist das Besondere an Israel?

Christian Werner, AKA: Israel ist eben nicht in jeder Hinsicht ein 'Staat wie jeder andere', wie es so oft heißt. Im Gegensatz zu anderen Staaten, hat Israel eine einzigartige Legitimation und Aufgabe: Jüdinnen und Juden Schutz vor Verfolgung zu bieten. Dass dies notwendig ist, haben die Deutschen in der Zeit des Nationalsozialismus mit ihrem antisemitischen Vernichtungswahn, der zur Ermordung von 6 Millionen Menschen führte, bewiesen. Die anderen Staaten verhinderten dies nicht. Israel ist die notwendige Antwort auf den historischen und noch existierenden Antisemitismus.
Angesichts dessen ist Solidarität mit Israel und auch mit dessen bewaffneter Selbstverteidigung eine Selbstverständlichkeit.

Kann man mit Volkstanz und Kinofilmen Vorurteile ab- und Solidarität bauen?

Shimrit Härtl, DIG: Unser Ansatz ist es, die Menschen bei Ihren Interessen abzuholen. Wir dozieren in der Israelwoche nicht lang und breit über Israels historische Legitimation, auch wenn das für uns die Basis ist. Die Israel-Woche funktioniert so: Wer sich für Kampfsport interessiert kann sich beim Krav Maga-Probetraining ein paar neue Techniken aneignen, wer gerne Wein trinkt, probiert mal den aus Israel, Cineasten bekommen einen Einblick in den zeitgenössischen israelischen Film und so weiter.
Außerdem haben wir natürlich diverse politische Veranstaltungen im Programm: Schülerinnen und Schüler können am 8. Mai dem Botschafter des Staates Israel ihre Fragen stellen, es findet ein Vortrag zur aktuellen Lage im Iran statt und in der Abschlusstagung geht es um das vorherrschende Israel-Bild in Medien und Gesellschaft.

Wie war die Resonanz auf eure Anfragen bei den verschiedenen Institutionen?

Christian Werner, AKA: Wir haben über 50 Veranstaltungen zusammen bekommen, das ist auf jeden Fall ein großer Erfolg! Es gab bisher kein vergleichbares Projekt und die breite Resonanz ist auf jeden Fall ein gutes Zeichen. Allerdings waren wir bei unseren Anfragen auch mit vielen Vorurteilen und Ängsten konfrontiert. Es gab öfter Bedenken, sich mit einer Teilnahme an der Israel-Woche zu eindeutig zu positionieren. Gerade das zeigt wiederum, wie notwendig ein solches Projekt ist!

 

Interview: Susanne Küppers