Eintritt: € 14.-
(€ 9.- ermäßigt) Karten erhältlich an bei MünchenTicket und an der Tageskasse. Die Veranstaltung ist vom Kultusminsiterium zur Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften an weiterführenden Schulen genehmigt. Entsprechende Bestätigungen erhalten Sie von der bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit.
Einlass ab 9:00 Uhr
Antisemitismus ist nach Adorno "das Gerücht über die Juden". Wer sich bemüht, dem Gerücht über Israel auf den Grund zu gehen, kommt zu dem gleichen Urteil. Das "Feindbild Israel" kann nur auf der Basis aus Gerüchten und antisemitischen Ressentiments bestehen. Diesen Gerüchten gerade in Deutschland etwas entgegen zu setzen, ist Ziel der Israel-Woche.
Die Israel-Woche endet mit einer Veranstaltung, in der die Vorurteile, Bedrohungen und Feindseligkeiten, denen sich Israel ausgesetzt sieht, untersucht werden. Nach 12 Tagen Veranstaltungen, die beleuchten, wie facettenreich die israelische Gesellschaft, Kultur und Geschichte ist, wollen wir den Abschluss-Tag dazu nutzen, das Umfeld, in dem sich Israel behaupten muss, genauer zu betrachten und die Ursachen und Erscheinungsformen von Vorurteilen bis hin zu Feindseligkeit zu diskutieren.
Begrüßung
Grußwort durch Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Vizepräsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland
Eröffnungsansprache durch den Arbeitskreis Antisemitismus
Mit: Doron Rabinovici, Lars Rensmann, Julia Iser, Rolf Behrens, N.N. (Moderation)
Oft heißt es, Antisemitismus sei ein mittelalterliches Ressentiment, das sich nur noch bei den "Ewiggestrigen" von der extremen Rechten findet. Auf diesem Podium soll diskutiert werden, wie aktuell Antisemitismus ist, wo und in welchen Erscheinungsformen er auftritt und was seine Ursachen und Ziele sind. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Verhältnis von Antisemitismus und Antizionismus.
Eine konkrete und höchst wirksame Erscheinungsform des Antisemitismus lässt sich an der medialen Präsentation Israels untersuchen. Trotz der weltweit höchsten Dichte an AuslandskorrenspondentInnen bietet die Berichterstattung über Israel und den Nahostkonflikt immer wieder Anlaß zu Kritik. Daher wird hier an einigen Beispielen genauer untersucht, woran die Berichterstattung über Israel und den Nahostkonflikt krankt.
Während die Siedlungspolitik heutzutage gerne als Apologie für den Neuen Antisemitismus angeführt wird, dient der globalisierte Antisemitismus längst zur Rechtfertigung der rechten Siedler, denn der Judenhaß bestärkt eine Weltsicht, die nichts als Feinde sieht, mit denen ein Kompromiß nicht möglich scheint. In Umwandlung eines alten Satzes von David Ben Gurion, der die Juden und Jüdinnen im Kampf gegen den Nationalsozialismus und gegen das britische Mandat in Palästina sah, gilt es jedoch, den Antisemitismus zu bekämpfen, als ob es keinen Nahostkonflikt gäbe, und den Nahostkonflikt einer Lösung zuzuführen, die Friedenskräfte in der Region zu stärken, als gäbe es den Antisemitismus nicht.
Die politische Debatte um Israel und den Nahost-Konflikt ist vielfach von einer Logik der Entdifferenzierung und von binären Zuschreibungspraktiken geprägt, die den komplexen politisch-sozialen Verhältnissen vor Ort kaum gerecht werden. Aufgezeigt werden vor diesem Hintergrund allgemeine und spezifische wissenschaftliche Kriterien zur Bestimmung und Analyse des modernen Antisemitismus. Zudem werden die "Veränderung kultureller Codes" (Shulamit Volkov) und das Problem einer neuen "antizionistischen" Israelfeindschaft im extremistischen Bereich (sowie deren Beziehung zum Antisemitismus) angesprochen. Nüchterne Analysen gegenwärtiger politisch-ideologischer Phänomene und Diskurse unterlaufen die Vorstellung, daß Kritik an israelischer Regierungspraxis per se antisemitisch sei ebenso wie die Auffassung, "Israelkritik" sei per se frei von Antisemitismus. Diskutiert werden soll abschließend, inwiefern Israelfeindschaft zu einem neuen Medium antisemitischer Bilder vom "kollektiven Juden" geworden ist, und welche Rolle Antisemitismus heute u.a. im Rechtsextremismus spielt.
Antisemitismus in Deutschland- Erscheinungsformen und Ausmaße. In dem Vortrag wird an Hand repräsentativer Bevölkerungsumfragen, die in Deutschland zwischen 2003 und 2005 durchgeführt wurden, das aktuelle Ausmaß verschiedener Formen von Antisemitismus bestimmt. Hierbei werden nicht nur die in der Forschung schon längere Zeit etablierten Formen des klassischen und sekundären Antisemitismus betrachtet. Insbesondere im Hinblick auf die seit dem Beginn der zweiten Intifada entbrannte Debatte über die (Un-) Möglichkeit der Kritik an Israel, werden auch verschiedene Formen von Israelkritik in die Betrachtung mit einbezogen.
Laut Meinungsumfragen empfindet eine Mehrheit der Deutschen Israel als Aggressor und Störenfried im Nahen Osten, ja sogar als größte Gefahr für den Weltfrieden. Eine Inhaltsanalyse deutscher Printmedien zeigt, dass deren oftmals einseitige, verkürzte und stereotypenbehaftete Berichterstattung diese Einstellungen verstärkt, in vielen Fällen vermutlich sogar hervorruft. Der Vortrag zeigt anhand zahlreicher aktueller Beispiele, welche Berichterstattungsmuster die Wahrnehmung des Konflikts durch deutsche Medien-Rezipienten prägen. Dabei soll auch die Frage nach dem "Warum" beantwortet und diskutiert werden.
Mit: Matthias Küntzel, Mirjam Gläser, N.N. (Moderation)
Durch die Wiederaufnahme des iranischen Atomprogramms hat die Bedrohung Israels eine neue Qualität erreicht, doch neu ist sie keineswegs. Seit der Staatsgründung 1948 musste Israel seine Existenz und das Leben seiner EinwohnerInnen permanent verteidigen. In diesem Podium wird diskutiert woher diese Bedrohung kommt und wie ernst sie zu nehmen ist. Es geht hier um die Ideologie islamistischer Bewegungen und die Entstehung und Bedeutung von Antisemitismus im politischen Islam, sowie im arabischen Nationalismus. Hier wird je nach aktueller Lage auch mehr oder weniger intensiv die Einschätzung der politischen Entwicklung im Iran und in den palästinensischen Autonomiegebieten diskutiert.
Besonders an den Medien des Nahen Osten lässt sich die gemeinschaftsbildende Funktion des Antisemitismus untersuchen. Im palästinensischen Staatsfernsehen sowie den Sendern diverser arabischer Staaten werden z.B. in Predigten offene Aufrufe zum Mord an Juden gesendet. In diesem Podium wird an konkreten Beispielen untersucht, welches Bild Israels in den arabischsprachigen Medien vermittelt wird. Es soll zudem die Frage diskutiert werden, inwieweit diese Sichtweisen hegemonial sind, welche gesellschaftliche Funktion sie erfüllen und wie dagegen vorgegangen werden könnte.
Mit: Juliane Wetzel, André Anchuelo, Ralf Mattes (Moderation)
Europa inszeniert sich oft als neutraler Vermittler zwischen Israel und den Palästinensern. Hier wird die Europäische Rolle im Nahostkonflikt genauer untersucht. Hier soll dargestellt und analysiert werden, wie meist einseitige UN-Resolutionen, die Nutzung von EU-Geldern durch Terrororganisationen zu Stande kommen und welche Interessen und Ideologien dem Engagement von deutscher, europäischer und internationer Seite zu Grunde liegen.
Nahost als Testfeld europäischer Großmachtambitionen. Bereits 1973 beschloss der europäische Ministerrat eine Resolution, die die Erfüllung der „legitimen Rechte“ der Palästinenser einforderte. Angesichts der Tatsache, dass diese Resolution als Reaktion auf das im Zusammenhang mit dem Yom-Kippur-Krieg durch die arabischen Staaten verhängte Ölembargo zustande kam, sprach ein hellsichtiger Kritiker schon damals von „Beschwichtigung um jeden Preis“. Zwei Jahrzehnte später institutionalisierten die inzwischen zur Europäischen Union zusammengeschlossenen europäischen Staaten mit der „Euro-Mediterranen-Partnerschaft“ die Betreuung ihres arabischen Hinterhofes. Gleichzeitig entstand durch die Osloer Abkommen mit der „Palästinensischen Autonomiebehörde“ ein Staat in Gründung, den die Europäer von Anfang an als ihr Projekt betrachteten und mit Milliardenzahlungen unterstützten. Als schließlich im Jahr 2000 die unter US-amerikanischer Aufsicht geführten Verhandlungen von Camp David ergebnislos blieben und die Palästinenser stattdessen mit der „Al-Aqsa-Intifada“ versuchten, durch kriegerische Mittel ihre Ziele zu erreichen, intensivierte die EU ihre Unterstützung für die Autonomiebehörde noch. So konnte sich die EU bei der Konfliktbetreuung gegen die konkurrierenden USA weiter profilieren was sich nicht zuletzt auch in der Beteiligung am „Nahostquartett“ und der Entstehung der „Roadmap“ ausdrückt. Doch auch in der Politik gegenüber der nach Atomwaffen strebenden Islamischen Republik Iran und der neuen islamistischen Hamas-Regierung in den Palästinensergebieten zeigen sich die anti-israelischen Implikationen der europäischen und speziell deutschen Nahostpolitik.
Die internationale Staatengemeinschaft und der Antisemitismus. Reaktionen der EU und der OSZE seit der zweiten Intifada. Die antisemitische Welle des Jahres 2002, die nur die Spitze einer Entwicklung war, die sich bereits mit Beginn der zweiten Intifada und in Folge der Antirassismuskonferenz in Durban Anfang September sowie der Anschläge vom 11. September 2001 abzeichnete, hat trotz umfangreicher Presseberichterstattung erst im Jahr 2003 zu Reaktionen der internationalen Staatengemeinschaft geführt. Es wurde jedoch rasch deutlich, dass es an einem Bewusstsein für die Besonderheiten des Antisemitismus noch immer fehlte. Der Terminus Antisemitismus fand in Statements - wenn überhaupt – immer erst am Ende einer Aufzählung von Rassismus, Antidiskriminierung und Xenophobie Erwähnung. Die Problematik antisemitischer Tendenzen in den Zuwanderergesellschaften Europas wurde zunächt kaum thematisiert. Erst mit der zweiten Antisemitismus-Konferenz der OSZE in Berlin im April 2004 zeichnete sich ein Bewußtseinswandel ab, der dazu geführt hat, dass entsprechende Rahmenbedingungen für die Beobachtung und Bekämpfung des Antisemitismus geschaffen wurden.
Mit: Joel Lion (Botschaftsrat der Botschaft des Staates Israel), Yehoshua Chmiel (Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde München), Philip Bauer (Arbeitskreis Antisemitismus)
So wie der Antisemitismus kein Problem der Juden ist, sondern eines der Antisemiten, so ist auch die Bekämpfung von antisemitischem Terror nicht alleinige Aufgabe Israels. Die Antwort auf die antisemitischen Angriffe, sei es in Israel durch Anschläge, diplomatisch durch seine Nachbarländer (etwa Syrien und Iran), oder durch die Politik der EU und Deutschland, kann nur sein, Israels Position zu stärken.
Im Rahmen dieses Podiums sollen einmal nicht die, oft selbsternannten, deutschen NahostexpertInnen, die der israelischen Gesellschaft und Regierung vorwerfen falsch zu handeln, zu Wort kommen. Die Veranstalter wollen hier explizit auch offiziellen Vertretern des Staates Israel sowie Bürgern Israels Gelegenheit geben, ihre Erfahrungen darzulegen und die Politik Israels zu begründen und zu kommentieren und darzulegen, welche Anstrengungen Sie sich von uns erwarten.